8. Okt. 2015 | cultundcomm | 13 Kommentare

Storytelling – Irreführender PR-Hype

Storytelling ist derzeit das Synonym für erfolgreiche Presse- und Medienarbeit, der Schlüssel zum Informationsbedarf und -verhalten unterschiedlichster Zielgruppen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Als der Hype aus dem Munde von Kommunikationsexperten und auf den Webseiten von Agenturen laut, deutlich und farbreich formuliert, zieht das Storytelling durch die derzeitige Kommunikationslandschaft mit schon fast hypnotischer Wirkung. Und immer mehr Personen aller Altersklassen und Sozialgruppen, Unternehmen, Institutionen und Organisationen scheinen diesem Hype zu verfallen und erzählen mehr und mehr Geschichten, denn: „erzähl Deine Geschichten, man wird Dir zuhören und sich beeinflussen lassen“, so die Lesart vieler Kommunikationsprofis.

Nur die halbe Wahrheit

Verlockend, aber falsch! Es kommt nicht auf das Storytelling alleine an – auf die Fähigkeit Geschichten zu erzählen. Das kann jeder, und leider tut es jeder immer hemmungsloser! Durch die Vielfalt von Formaten und Kanälen gelangt jede Geschichte ungehindert von jedermann zu jedermann. Alle Barrieren scheinen ausgeschaltet, alle Hürden genommen. Geschichten formen und bilden Meinungen, manipulieren und polarisieren. Wir erleben es jeden Tag im Stakkato! In Sekundenschnelle, über alle Kanäle, alle Formate; umgehen Geschichten ethische und moralische Prinzipien, zetteln und richten an!

Zwei unterschiedliche Paar Schuhe

Worauf kommt es also an? Es geht um die richtige Story, zum richtigen Zeitpunkt für die richtige Zielgruppe! Genauer: Es geht dabei ausschließlich um die zutreffende Story. Die zutreffende, und damit überprüfbar und dauerhaft tragfähige Story ist und bleibt nicht nur aus Sicht einer wertebasierten, authentischen Kommunikation der Schlüssel zum dauerhaften medialen Erfolg. Das ist nichts neues, nichts Revolutionäres. Und schon gar nicht hat das irgendetwas mit einem Hype gemein! Der Riesenrummel um das Storytelling muss also in die richtige Richtung gedreht werden, soll das gefährliche und allzu oft verantwortungslos praktizierte „Geschichtenerzählen“ zur richtigen, weil zutreffenden Story zum richtigen Zeitpunkt werden.

Übrigens: Das machen gute Journalisten und Autoren seitdem es sie gibt. Das haben gute PR-Profis in Unternehmen und Agenturen übernommen und erfolgreich im Umgang mit den Medien praktiziert. Immer mit dem rechten Maß an Verantwortung, der notwendigen Portion an Moral und Ethik ausgestattet. Davon könnte es ruhig mehr geben.

Wir sind gespannt: Was macht gutes Storytelling für Sie aus?

von Helmut Fritz Nollert

 

13 Kommentare

  1. Munich trip planner

    wie wahr, wie wahr…sowohl dass es immer mehr Menschen gibt, die irgendwas kommentieren/erzählen als auch dass sich diejenigen, oftmals nicht über ie Konsequenzen bewußt sind. Schnellschüsse waren noch nie sinnvoll. Leider ist es im Zeitalter von Facebook, Twitter und Co schon usus, sofort etwas “rauszuhauen”. Gute Storys sollten nicht nur das Wissen im Gepäck haben sondern auch mit Bedacht die Meldung/Story bringen. Manchmal ist “weniger, mehr” oder wie ich vor einiger Zeit in einem Buch gelesen habe: “Wenn die Menschen nur von dem sprächen, was sie verstehen, würde bald ein großes Schweigen auf der Erde herrschen”

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  2. Munich trip planner

    Dieser Meinung kann ich mich absolut anschließen. Ein wenig mehr Stille und damit auch Substanz würde sehr gut tun.

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  3. KM

    Ehrlichkeit und Wissen machen m.E. gutes Storytelling aus. Denn den “PR-lern” wird ja immer vorgeworfen, dass sie Katastrophen in Watte verpacken oder so umformulieren, dass niemand mehr weiß, was damit gemeint ist oder – schlimmer noch – diese ins Gegenteil verkehrt werden. Daneben heißt es, dass sie sich über Dinge auslassen, von denen sie keine Ahnung haben. Wer also nachhaltig kommunizieren will, sollte sich vorher überlegen, ob es wahr und fundiert ist, was er verbreitet. Schließlich haben Lügen kurze Beine und die werden immer kürzer, je besser und schneller interessierte Menschen mit Hilfe des Internets recherchieren können. Schließlich: was immer man tut, man sollte es klug tun, aber immer die Folgen dabei bedenken.

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  4. Lita Haagen

    Storytelling wird oft missverstanden und buchstäblich so interpretiert,
    als müsse man eine Geschichte schreiben, wie wir es im Deutschunterricht gelernt haben.

    Eine solche wahre oder fiktive Geschichte in Form eines Blog Artikels,Videos, Postings, oder einer
    Pressemitteilung etc. ist aber nur ein kleiner Teil der vielen Storys innerhalb der übergeordneten Unternehmensstory.

    Immer, wenn das Unternehmen erlebbar wird, wird eine Geschichte erzählt.

    Das Bürogebäude erzählt ebenso wie die Telefonwarteschleife.
    Der Briefkopf des Unternehmens erzählt ebenso wie die Produktverpackung,
    das Gespräch mit der Beschwerde Annahme, das Fahrzeug des Vertriebsmitarbeiters.

    Es kommt darauf an, wie in einem Theaterstück jede einzelne Szene der Inszenierung,
    also alles, was erlebbar ist, in den Dienst der übergeordneten Unternehmensstory zu
    stellen.

    Jede Szene ist für sich eine eigenständige kleine Story, die den Fokus auf jeweils einen Teil der
    Unternehmensstory legt und den Rest des großen Ganzen mehr oder weniger unausgesprochen mitschwingen lässt.

    Ich nenne das „Fraktales Storytelling“.
    Die Story in der Story in der Story.

    Besonders bei der Eventkonzeption ist das wichtig.

    Mit vielen musikalischen Grüßen aus Bad Driburg,
    Lita Haagen

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    • Jacqueline Althaller

      Lita, das ist der Punkt: Wahrhaftigkeit ist die Basis der Geschichte, das Storytelling folgt dabei der alten Regel Aufmerksamkeit wecken, Interesse erzeugen, Wunsch, Handlung – nur weil es Social Media gibt, werden aus PR Handwerkern keine Zauberer

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      • Lita Haagen

        Du hast absolut Recht, Jaqueline.
        Der Zauber jedes guten Handwerks liegt in der Wahrhaftigkeit.

        Antworten
        • Jacqueline Althaller

          Vielleicht etwas aus der Mode gekommen, weil kein Easy win?

          Antworten
          • Lita Haagen

            „Easy“ Win ist es meist nur auf den
            ersten Blick.

            Einfach ist es ja nicht gerade, mit hoher Frequenz irgendetwas „rauszuhauen“, dann die immer neuesten SEO Tricks anzuwenden und darauf zu hoffen, dass Google und die Kunden es nicht merken.

            Man muss dafür ständig neue Tricks anwenden, Technologien anschaffen und lernen, Ausreden erfinden und auswendig lernen, nachhalten, wem man was aufgetischt hat.
            Man muss bangen, wenn Google seinen Algorithmus verfeinert und soziale Netzwerke neue Spam Regeln aufstellen.
            Man muss Angst haben, dass Vertragspartner Details ausplaudern könnten.

            Wenn ich sage, wie es ist, brauche ich mir nichts extra zu merken.

            Wenn ich mein Bestes gebe, um meinen Lesern wertvollen Content zu liefern, brauche ich keine dirty SEO Tricks und freue mich darüber, wenn die Suchmaschinen besser darin werden, echten relevanten Inhalt von aufgepimptem Blabla und echtes
            Interesse von getricksten Backlinks zu unterscheiden.

            Ich glaube, dass Unehrlichkeit richtig anstrengend ist.

            Eine Stunde Lügen und Tricksen ist mindestens drei Mal so anstrengend wie drei Stunden ehrliche Arbeit wenn man im Flow ist.

          • Jacqueline Althaller

            Also Wahrhaftigkeit + Ausdauer?

          • Lita Haagen

            Wahrhaftigkeit

            + Ausdauer

            + genaue Kenntnis

            – der übergeordneten Unternehmensstory mit Positionierung

            – der Zielgruppe des Unternehmens

            – der Teil-Zielgruppe und der Teil-Botschaft der einzelnen Story

            + handwerkliches Know How bezüglich der Dramaturgie und der
            Besonderheiten der unterschiedlichen Inhalte, Formen, Botschaften und
            Kanäle

            + Kreativität

            Der beste Freund, den Du Dir dafür wünschen kannst,
            ist Dein Kundenavatar.
            Wie Du ihn kennen lernen kannst, erfährst Du hier:
            http://vocke-haagen-musikagentur.de/kunden-avatar-ihr-bester-freund/

            Viele Grüße,
            Lita

          • Jacqueline Althaller

            gerne können wir unseren Austausch mit unserem neuen Blogbeitrag, der wöchentlich Donnerstags gepostet wird, fortsetzen.

          • Lita Haagen

            Ich bin gespannt auf das nächste Thema.

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